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30 Jahre QuarkXPress

Es begann 1987: Desktop Publishing (DTP) war das Buzzword der ausklingenden 80er Jahre, die ersten Grafiker arbeiteten bereits mit Apple Macintosh Plus und verwendeten für Akzidenzen „Aldus PageMaker“ oder „Ready, Set, Go!“ Typographisch waren beide Programme zwar sehr simpel, aber im Vergleich mit der damals aktuellen Technologie (Fotosatz) erheblich günstiger und schneller bei Korrekturen an Umbruch und Text. Von Keilen, Hurenkindern, Gevierten oder Unterschneidungen war noch lange keine Rede und in Kommentaren konnte man im „Deutschen Drucker“ lesen, dass sich DTP niemals gegen konventionellen Schriftsatz durchsetzen würde. Neben einigen anderen Programmen kam im gleichen Jahr auch  Quark XPress (damals noch getrennt geschrieben) in die Regale mancher Apple-Händler.

Sechs Jahre zuvor gründeten zwei junge Männer in Denver „Quark“. Tim Gill und Marc Pope entwickeln Software für den Apple II und III (Word Juggler, Catalyst) und eine Software, die mit dem Apple IIe ausgeliefert wurde. 1986 stieg Fred Ebrahimi als CEO bei Quark ein, übernahm Anteile, und das Unternehmen wurde profitabel – durch den Erfolg von Quark XPress.
1986 holte sich der damals größte Apple-Händler „Hard+Soft“ die Generalvertretung für Österreich. Auf einer Messe in den USA hatte GF Walter Kuntner Fred Ebrahimi, kennengelernt. Nicht zur Freude der anderen Apple-Händler im Land, denn deren Kunden mussten ihre Softwareregistrierung ausgerechnet an den Mitbewerber senden...

Im Gegensatz zum „PageMaker“ setzte Quark XPress schon damals auf Rahmen als Behälter für Text und Bild. In der ersten Versionen jedoch überaus restriktiv: Gruppieren oder mehrfache Auswahl war nicht möglich – wer mehrere Rahmen gemeinsam verschieben oder kopieren wollte, musste das rechtzeitig berücksichtigen und dafür Rahmen innerhalb von Rahmen von Rahmen von Rahmen (...) erstellen. Dafür glänze das Programm mit hoher Genauigkeit der Massangaben und bot im Vergleich zum Mitbewerb auch bei Versalhöhen und Papierformaten mehr Flexibilität. Präzise Einstellungen für Laufweite, Unterschneiden und Zeilenabstände und sogar Modifizieren von Einzelbuchstaben war möglich. Ab Version 2 (1989) war Quark XPress auch in deutsch und verfügte über editierbare Kerning-Tabellen und farbgetrennte CMYK-Ausgabe.  Für umgerechnet ca. 800,- Euro bekam man zwei Disketten und ein Handbuch. 1992 folgte die erste Windows-Version und mit QPS (Quark Publishing System) ein Redaktionssystem für Verlage. Das mehrsprachige „Passport“ erschien 1996 erstmals mit Dongle als Kopierschutz.

SCITEX Visionary
1988 kam es zu einer bemerkenswerten Zusammenarbeit zwischen dem Hersteller professioneller Scanner und Belichter SCITEX und QUARK. Eine spezielle XPress-Version – VISIONARY – war als Schnittstelle für SCITEX-Systeme konzipiert. Visionary bestand aus einem Mac II, Sharp Farb-Scanner, Mitsubishi Farbdrucker, und Scitex-Interface, genannt HandshakeXPress. Visionary benutzte eigene Fonts von „Bitstream“. Das System kostete umgerechnet etwa € 3.500,- und war mit Dongle kopiergeschützt. Der Verkauf hielt sich auch wegen der überschauberen Anzahl an SCITEX-Betrieben (Reprostudios) in Grenzen. Weltweit wurden weniger als 200 Systeme verkauft. Im Vergleich mit den Stückzahlen von Apple zwar kein Erfolg, aber ein deutliches Zeichen, dass man mit kleinen Computern auch professionell arbeiten konnte.

1989 QuarkStyle
QuarkXPress wurde von Profis gut angenommen – für Laien war die Einarbeitungszeit zu groß – viele Anwender entschieden sich deshalb beim Einstieg in DTP für PageMaker. Mit 90 Designvorlagen von internationalen Grafik/Designern wollte man auch Laien erreichen. Auch der Versuch von eine Alternative zu Photoshop zu etablieren, blieb ohne Erfolg. „QuarkXPosure“ (1995) schaffte es nicht in die Regale der Händler.

Quark und NeXT
Als Steve Jobs seinen schwarzen NeXT-Cube endlich auf den Markt brachte hofften viele auf eine Alternative zur zerfahrenen Hardware-Entwicklung bei Apple. NeXT und sein Betriebssystem verprachen höhere Leistung und „Display-Postscript“ – eine erhebliche Verbesserung der Bildschirmdarstellung und der Ausgabe. Die Erwartungen an QuarkXPress am NeXT waren entsprechend hoch. Doch es kam anders: Die Legende sagt, dass Steve Jobs dem Wunsch nach Rabatt auf Rechner für die QuarkXPress-Entwickler ablehnte. Fred Ebrahimi stoppte daraufhin die Planung für die Portierung. NeXT verpasste die einmalige Chance im graphischen Gewerbe Fuss zu fassen. (Adobe lieferte zwar den Illustrator (Version 4) für NeXT aus, hatte aber erhebliche Probleme bei der Ausgabe: Kreise kamen eiförmig aus dem Postscriptdrucker...

1996 QuarkImmedia
Mit dem vertrautem Werkzeug auch multimediale Inhalte zu erstellen, war die Idee zu  QuarkImmedia. So sollten auch Grafiker interaktive Produktionen erstellen können. Die erste Version von QuarkImmedia wurde 1996 ausgeliefert. Das Autorenwerkzeug gab es nur für Apple. Ein Jahr danach kaufte Quark übrigens „mFactory“ und stellte deren Autorentool „mTropolis“ umgehend ein. Gegen Macromedias Director oder Flash konnte sich QuarkImmedia aber dann doch nicht behaupten. 1999 wurde QuarkImmedia eingestellt. 2006 kam ein konzeptionell ähnliches Programm wie QuarkImmedia: Der Quark Interactive Designer exportierte Flash-Dateien (*.swf) in einen Projektor.

1999 Quark und Adobe

Als Adobe im März 1999 auf der Seybold Conference „InDesign” präsentierte, war die Publishing-Szene höchst gespannt. Unter dem Codenamen „K2“ wurde fünf Jahre an einem Produkt entwickelt, mit dem man Quark endlich Paroli bieten wollte. Die anfängliche Freude legte sich allerdings rasch, als die Schwächen offensichtlich wurden. Der vermeintliche XPress-Killer erwies sich zwar nicht als zahnlos, hatte aber in Version 1 viel zu wenig Biss. Quark hatte mit seiner Dongle- Strategie viele Anwender verärgert. Wer seit Jahren in teure Updates investiert hatte brauchte schon einen sehr guten Grund, um zu InDesign zu wechseln. Das Angebot der Adobe-Apps und die Verschränkung der Programme untereinander haben in den letzten Jahren doch unzählige Anwender zum Umstieg bewegt. Die Vorteile sind unübersehbar – für immer mehr Anwender werden aber auch die Schattenseiten des Abo-Modells zum Thema.
2011 wurde Quark von Platinum Equity übernommen. In der Mitteilung zur Übernahme bezeichnen die Partner den Zeitpunkt als „interessant“ und betonten, dass man man eine führende Rolle im »Digital Publishing« einnehmen werde. Im gleichen Jahr wird auch iPad-Publishing ein Thema und Version 9.1 exportiert zusätzlich auch für eBooks.

QuarkXPress 2017
Zum 30. Geburtstag gibt es seit 24. Mai Version 13. Ein Punkt fällt bei der Ankündigung besonders auf: In der aktuellen Version erwähnt Quark ausdrücklich „Beibehaltung des unbefristeten lebenslangen Lizenzmodells“. Immerhin hat Adobe mit der Creative Cloud weltweit die gesamte Kreativebranche an sich gebunden – und wie es aussieht auch lebenslang ...